Welche Konsequenz?

Die neueste Ausgabe von Swissfuture, der Zeitschrift der gleichnamigen schweizerischen Gesellschaft für Zukunftsforschung, ist dem Thema Langlebigkeit gewidmet. Es ist allgemein bekannt, dass in den Ländern der Ersten Welt die durchschnittliche Lebenserwartung stets ansteigt.

Acht lesenswerte Beiträge, darunter die auf dem Netzauftritt von Swissfuture frei zugängliche Einführung in das Thema von Hans Rudolf Schelling, dem Geschäftsführer des Zentrums für Gerontologie (Altersforschung) der Universität Zürich beleuchten verschiedene Auswirkungen des steigenden Alters auf die Gesellschaft in der Schweiz.

Dabei wird auf die im Entstehen begriffene « Viergenerationen-Gesellschaft », religiöse und ethische Fragen, Aspekte der Fitness und Gesundheit, Auswirkungen auf die Volkswirtschaft und das Reizthema Krankenkassen, die demografische Entwicklung und philosophische Betrachtungen zum Tod eingegangen.

Allgemein wird der steigende Anteil der Alten als Chance und nicht als Risiko betrachtet. Eine Ausnahme bildet die Skizze der möglichen volkswirtschaftlichen Entwicklungen. Dort wird auf die abnehmende Innovationskraft der Gesellschaft hingewiesen.

Diese Interpretation erstaunt. Zwar merken Trendforscher nach und nach, dass der Jugendwahn (trau keinem über 30) angesichts abnehmender Geburtenraten und steigender Pensionärszahlen ausgedient hat. Phantasie, Ideen und die Fähigkeit, Neues zu erkennen hat jedoch nichts mit dem physischen sondern dem geistigen Alter zu tun. Da nimmt es mancher Veteran mühelos mit vielen Junioren auf.

Auffallend ist (auch bei Swissfuture) das Fehlen einer Thematik. Es handelt sich um die Frage nach den Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Einmal mehr wird angetönt, dass Unternehmen in Zukunft vermehrt an älteren Mitmenschen interessiert sind. Dies dürfte jedoch ein Trugschluss sein. Das schweizerische Sozialsystem führt zu überproportional ansteigenden Arbeitgeberbeiträgen für Angestellte ab 45.

Dies stammt aus einer Zeit, wo Loyalität und Erfahrung etwas galten, so dass ein Unternehmen bereit war, dementsprechend dafür zu bezahlen. Heute werden Langediente zu teuer und werden oft entlassen. Den Personalverantwortlichen und neoliberalen Geldgierern ist dabei gleichgültig, dass die Hinausgeekelten nur mit viel Glück eine neue Stelle finden.Die Herausekler finden immer jemanden, der jünger und billiger ist.

Skandalös ist, dass dieser unter den heutigen Bedingungen fatale Systemfehler zwar immer wieder betont wird, aber sozusagen als « gegeben » hingenommen wird. Selbst die Sozialdemokraten, welche längstens nicht mehr die Arbeiterklasse sondern die gut bezahlten Doppelverdiener und Staatsprofiteure vertreten, haben trotz Wirtschaftskrise keine Vorstösse zur Korrektur dieses Systemfehlers eingereicht. Liegt das etwa daran, dass zahlreiche ihrer Exponenten auch davon profitieren? Man denke etwa an die zahlreichen Kommunikationsberater.

Würde es da nicht wenigstens den Zukunftsforschern anstehen, solche unbequemen Fragen zu stellen?

Daniel Stanislaus Martel

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